Ist Spiritualität etwas fürs Alter? Mit meiner tiefen Religiosität in der Kindheit und Jugend war ich der angenommenen göttlichen Kraft, die über mich und alles hinaus weist, ziemlich nahe. Das verlor sich im Laufe der Jugendzeit und wurde schließlich zum Feindbild, in dem sich aller Betrug der Mächtigen – und damit auch der „Kirchenfürsten“ – versammelte. Rationalität und Aufklärung waren angesagt und soziales Engagement, um diese Orientierung als höhere Stufe der Menschlichkeit durchzusetzen.
Eine gewisse Rückbesinnung ergab sich in meiner Tätigkeit als Hochschullehrer. Es wurde immer klarer, dass auch psychologisches Wissen keine Persönlichkeitsentwicklung anfachen konnte, die in der Schule und Erziehung sinnvoll weil menschlich schien. Zu viele irrationale innere Strukturen leiten unser Handeln. Schon Sigmund Freud hatte gefordert, LehrerInnen sollten eine Psychoanalyse durchlaufen, damit sie nicht ihre unreflektierten (Trieb)strukturen den Kindern überzustülpen. Die von mir angebotenen Selbsterfahrungsgruppen gingen in diese Richtung.
Bei näherer Betrachtung erweist sich die Welt als Konstruktion eines je individuellen Gehirns. Der Konstruktivismus in seinen Spielarten schien die Lösung. Wie aber kommen Menschen zu ihren ‚Konstruktionen‘? Diese Frage wurde im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie virulent und sorgte für erheblichen Zündstoff in nahezu allen Gesellschaften. Wem konnte man vertrauen?, Wer bietet verlässliche Informationen?, Wer hat unerkannte Eigeninteressen? Waren die Religionen immer schon mächtige Erlösungsmythen, so kamen nun Bedrohung und Verschwörung hinzu. Tatsächlich aber gab es in der Psychologie keine Untersuchungen und Informationen dazu. Erst im Laufe der Jahre, in der die Pandemie andauerte wuchs die Literatur dazu, ließ aber immer noch viel Spielraum für Spekulationen. Aus einer Unterredung mit einem Vertreter der evidenzbasierten Medizin ergab sich für mich die Motivation, meine Überlegungen zusammenzustellen. Um eigene Forschungen durchzuführen fehlten mir seit meiner Pensionierung die dazu nötigen Möglichkeiten:
Veröffentlichung:
Fiktive Welten. Evolutionspsychologische Überlegungen zu Bedrohungs-, Verschwörungs- und Erlösungsmythen.
Demnächst (2026) auf meiner Homepage (ca. 200 S.): www.wolfgang-roth.org
