Spiel und Spielzeug

Die große alte Dame der Entwicklungspsychologie Hildegard Hetzer, mit der ich in Gießen zusammentraf, hat mich und dann auch meine damalige Frau Almuth Roth-Bilz in den Spiel-Gut-Arbeitsausschuss „geschleust“. Die Idee einiger KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen in der Nachkriegszeit war es, den Kindern die Schrott-Spielsachen, die sich auf dem Markt befanden, zugunsten guten Spielzeugs zu ersparen – und damit einen Beitrag für eine gesunde, friedliche Entwicklung der Einzelnen und der Gesellschaft zu leisten. Hintergrund war die Überlegung, dass wir von dem geprägt werden, was wir tun und womit wir umgehen – insbesondere in der Kindheit. Max Bill hat dazu ein Logo entworfen, das bis heute seiner künstlerischen Qualität gemäß Gültigkeit hat. 30 Jahre habe ich ehrenamtlich mitgearbeitet (1966- 1996), regelmäßig das Ausprobieren von Spielsachen in Kindergärten und Familien (mit)organisiert und überwacht und an den alle 6-8 Wochen stattfindenden Sitzungen in Ulm teilgenommen, um die Ergebnisse zu diskutieren. Die ausgezeichneten Spiele und Spielsachen durften das Label zu Werbezwecken auf ihre Produkte aufbringen. Auf diese Weise gab es ein erkennbares Streben vieler vor allem kleiner Hersteller, dieses Siegel zu nutzen und als Voraussetzung ihre Spielsachen entsprechend zu produzieren.

Frühere Versuche, die Firmen direkt anzusprechen und sie ohne den Druck der Öffentlichkeit zu beraten, wie sie ihre Spielsachen zu gestalten hätten, damit sie den Anforderungen der Spiel-Gut-Jury entsprächen, fruchteten nicht. Es brauchte die Aufklärung der Eltern über die Schriften des Ausschusses und die Kennzeichnung der ausgezeichneten Spielsachen. Dazu gab es Ausstellungen und viel Presse. In Gießen habe ich im Rahmen einer Messe eine Spiel-Gut-Ausstellung organisiert und dazu Ilse Dienst engagieren können, die dann ständiges Mitglied wurde. Auch ihr Mann, Günter Dienst, hat sich später engagiert. Sein Spezialgebiet wurde das Aufspürens von Plagiaten und deren Kenntlichmachung unter anderem mit einem „Plagiatspreis“, der auf der Spielwarenmesse in Nürnberg jährlich verliehen wurde.

Auch im Vorstand war ich einige Jahre tätig und habe die Hauptschriften mitverfasst:

Veröffentlichungen u.a.:

spiel gut Arbeitsausschuss Kinderspiel und Spielzeuge.V. (Hg.): Vom Spielzeug und vom Spielen. Ulm: Spiel Gut Arbeitsausschuss (Nachfolgeschrift des Ratgebers, der in mehr als 300.000 Exemplaren verkauft worden war und an dessen Herstellung ich ebenfalls beteiligt war.)

1977: Study of technological toys amd the child’s understanding of them. In: Kooij, Rimmert van der / Roel de Groot (Hg.): That’s All in the Game. Theory and research, pratice and future of children’s play. Rheinstetten: Schindele, S. 91-98.

1987: Kultur- und Persönlichkeitsentfaltung im Spiel. Freiburg: Agj-Verlag (27 S.)